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Los geht's

Herleshausen

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Kennt ihr diese Schilder am Straßenrand? Aber was sagen sie uns? Wir, die Schülerinnen und Schüler der Südringgauschule Herleshausen, wollen wissen, was dahintersteckt. Vor 25 Jahren war unser Ort in ganz Deutschland bekannt, aber heute fragt sich manch einer, wo Herleshausen überhaupt liegt und welche Bedeutung es einst hatte.

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Herleshausen wurde von den Alliierten 1945 als Grenzübergang für das Land Hessen bestimmt. In dieser Funktion wurde unser Ort allenthalben zu einem Begriff. Die Baulichkeiten der Grenzkontrollstelle wurden im Laufe der Jahre stets erweitert.

Quelle: Gemeinde Herleshausen, Tor nach Thüringen (1981: Infobroschüre, Weka Verlag)

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Die ganze Klasse machte sich auf, um die alte Grenzkontollstelle zu besuchen - es gab insgesamt zwei Kontrollstellen. Ihr seht Jasmin Renneisen, Michelle Lorey, Moritz Janus, Omran Alhallak und Tom Leon Frieß, die sich auf Spurensuche begeben.

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Wir wollen uns aufmachen und schauen, ob wir noch Spuren, also stumme Zeugen, des einstigen Grenzübergangs finden. Bernd Rahmer war Zollbeamter an der Grenzkontrollstelle in Herleshausen. Er steht vor einer Birke, die schon damals an der Grenze wuchs und so manches beobachtet haben muss. Zum Gück kann Bernd Rahmer von damals berichten.

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An der DDR-Grenze wurde damals streng kontrolliert. Den „weißen Strich“ durften PKW-Fahrer nur überfahren, wenn sie das Handzeichen des Grenzers bekamen – wer sich nicht daran hielt, wurde schikaniert, erinnert sich Bernd Rahmer.


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Bernd Rahmer erinnert sich auch an kuriose Geschichten, die er damals als Zollbeamter der BRD an der Grenze erlebt hat.

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Die Grenze war eine der wenigen mit dem Auto zu passierenden Grenzpunkte zwischen der DDR und der BRD. Sie befand sich zwischen Herleshausen im Westen und Wartha im Osten. Bis 1984 war sie durch eine Landstraße passierbar, seit 1985 über die Autobahn A 4. Das Personenaufkommen entwickelte sich von 1949 bis 1989 rasant. Anfangs reisten nur wenige Personen von Ost nach West und umgekehrt - bis kurz vor der Deutschen Wiedervereinigung waren es hunderttausende Menschen jährlich.

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Bis kurz vor der politischen Wende 1989 passierten mehr als dreihunderttausend LKW den Grenzübergang in Herleshausen - da gab es jede Menge zu tun für die Zollbeamten. Beachtlich ist, dass im Jahr 1988 an einem Tag so viele LKW die Grenze passierten, wie anfangs 1949 in einem ganzen Jahr. Das LKW-Aufkommen hatte sich also über die Jahrzehnte mehr als verzweihundertfacht.

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Konnte man anfangs als Bürger die Grenze noch leicht überwinden, wurde die Grenzanlage immer weiter perfektioniert. Ein Durchdringen war nicht mehr möglich. Helmut Schmidt lebte immer an der ehemaligen Grenze und war Bürgermeister in Herleshausen. Helmut Schmidt äußerte sich zu Fluchtversuchen.

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Helmut Schmidt erinnert sich, dass es in den Anfangsjahren des Grenzüberganges noch erfolgreiche Fluchtversuche gab, die nachts stattfanden. Später war das fast unmöglich.


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Helmut Schmidt weiß noch genau, dass die Grenze und das Sperrgebiet über die Jahre komplett abgeriegelt wurde - wer hier noch durchkam, hatte riesiges Glück.

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Helmut Schmidt hat bei seiner Arbeit direkt an der Grenze miterlebt, wie die Grenzanlagen immer mehr perfektioniert wurden, bis eine Flucht praktisch nicht mehr möglich war.

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Die Grenze zwischen der BRD und der DDR war auch zwischen Herleshausen und Wartha stark gesichert: mit Grenzsoldaten, Zäunen, Selbstschussanlagen und Minen. Da kam keiner mehr durch. Die Fotos von damals zeigen, wie stark die Grenze abgesichert war.

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Einige Menschen versuchten trotzdem das fast Unmögliche - die Grenze zu überwinden. Siegfried Hoch berichtet von einem spektakulären Fluchtversuch. Er war Mitarbeiter der Raststätte Herleshausen, direkt an der Grenze.

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Günter Wetzel konnte sich nicht mit dem politischen System der DDR anfreunden. Der Staat griff massiv in das Privatleben der Menschen ein. Er erinnert sich an die Überwachung durch den Staat, die ihn und seine Familie einschränkte. Unsere Klassenkameradin Jana Stüber hatte die Idee, Herrn Wetzel einzuladen. Er ist der Arbeitskollege ihres Vaters.

Im Bild: Peter, Andreas, Petra und Günter Wetzel beim “Mensch ärgere dich nicht” (Quelle: Günter Wetzel)

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Günter Wetzel wollte die DDR unbedingt verlassen und sah nur noch den Himmel als möglichen Fluchtweg offen und baute sich mit einem Freund einen Heißluftballon. Mit ihren Familien landeten sie bei Naila in Nordfranken im Frankenwald im Westen. Doch die Stasi wollte ihn zurück in die DDR locken. Seine Geschichte könnt ihr übrigens auch auf seiner Website nachlesen.

Im Bild: Günter Wetzel baute sich mit Freunden einen Heißluftballon für die spektakuläre Flucht in den Westen (Quelle: Günter Wetzel)

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Viele Fluchtversuche scheiterten. Die Flüchtlinge gelangten nicht in den ersehnten Westen, sondern in ein DDR-Gefängnis. Der Ost-Berliner Rechtsanwalt Wolfgang Vogel wurde Vermittler zwischen Ost und West. Agenten wurden ausgetauscht und Häftlinge freigekauft:

„33 755 politische Häftlinge aus der DDR kaufte Bonn zwischen 1963 und 1989 frei und bezahlte dafür – und für rund 215 000   ‚Familienzusammenführungen‘ – mit Waren im Wert von mehr als 3,4 Milliarden D-Mark".

Norbert F. Pötzl Mission Freiheit - Wolfgang Vogel, 2014

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Zwei ehemals freigekaufte politische Häftlinge, die über die Grenzkontrollstelle Herleshausen in den Westen kamen, hatten wir zu Gast in unserer Schule. Jutta Fleck ist bekannt als die Frau vom Checkpoint Charlie und sie erinnerte sich noch genau an den Empfang im Westen.

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Als Jutta Fleck endlich im Westen war, spürte sie ein unglaubliches Gefühl der Freiheit - es war für sie unbeschreiblich schön, berichtet sie.

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Auch Jutta Fleck machte Bekanntschaft mit dem Rechtsanwalt Wolfgang Vogel, der ihren Freikauf an der Grenze in Herleshausen mit abwickelte.

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Auch als Jugendlicher konnte man leicht mit dem DDR-Regime anecken, berichtet unser Gast Manfred Migdal. Er geriet ständig mit dem DDR-Regime in Konflikt  und wurde in jungen Jahren von zuhause in Jugendwerkhöfe zur "Umerziehung" weggeholt. Ein langer Leidensweg begann. Er wollte einfach nur weg, in die Freiheit und wurde schließlich als politischer Häftling über den Grenzübergang Herleshausen in den "Westen" freigekauft.

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Wer in Herleshausen ankam, wurde herzlich empfangen. Auch die freigekauften Häftlinge wurden von Helferinnen des Deutschen Roten Kreuzes in den Bussen freundlich willkommen geheißen.Ursula Rößler berichtet, wie das Rote Kreuz sich einbrachte und welches Gefühl sie dabei hatte.

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Die grausame Grenze teilte viele Familien. Da ein ganz normaler Besuch im Westen nicht möglich war, fuhren die Angehörigen aus dem Westen zu ihren Verwandten in den Osten. Die Kontrollen waren sehr scharf, sollte doch nichts Unerlaubtes in die DDR geschmuggelt werden. Zunächst mussten jede Menge Formalien erfüllt werden, erinnert sich Helga Gogler aus Herleshausen. Sie passierte regelmäßig die benachbarte Grenzübergangsstelle in Wartha (DDR).

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Zunächst konnte Helga Gogler nur mit dem sogenannten Interzonenzug in die DDR einreisen, später ging das über die Landstraße. Ab 1984 erfolgte die Abfertigung über die Autobahn. Der Grenzübertritt in Wartha in die DDR war für Helga Gogler ein schreckliches Gefühl, denn dort gab es scharfe Kontrollen, sogar mit Leibesvisitationen.

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Helga Gogler hatte eine Tante in der DDR, die nicht weit von Herleshausen lebte. Kurz vor ihrer eigenen Hochzeit besuchte sie ihre Tante in der DDR und die gab ihr neben einer Torte und Blumen auch ein sechsteiliges Kaffee-Service als Hochzeitsgeschenk mit. Doch es war streng verboten, das Kaffeegeschirr aus der DDR mit in die BRD auszuführen. Bei der Zollkontrolle in Wartha wurde das Geschenk von den Grenzkontrolleuren genau unter die Lupe genommen - eine brenzlige Situation.

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Nach dem Bau der Werra-Brücke entstand ein neuer Grenzübergang direkt an der Autobahn.  Der ehemalige Zollbeamte (BRD) Detlev Traut kennt die neue Grenzkontrollstelle und deren Bedeutung ganz genau:

"Das war damals eine der größten und modernsten Grenzübergänge zur DDR und hat den kleinen Ort Herleshausen deutschlandweit bekannt gemacht“.

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Detlev Traut beschreibt die neue Grenzkontrollstelle.Von 1972 bis 1990 war er bei der Bundeszollverwaltung als Beamter im Grenzaufsichtsdienst tätig. Er hatte die grüne Grenze überwacht und führte auch Spezialkontrollen auf Rauschgift, Waffen und hochsteuerbare Waren durch. Er kennt die Örtlichkeiten der Grenze ganz genau.

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Helga Gogler aus Herleshausen erinnert sich noch genau an den Tag, als die Grenze der DDR nach Herleshausen sich öffnete und viele Menschen aus dem benachbarten Eisenach in den Ort strömten. Es war ein emotionales und schlafloses Wochenende für Helga Gogler, erinnert sie sich.

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Nur acht Jahre wurde die neue Grenze benötigt, dann gingen endlich die Grenzen auf. Neue Freundschaften, Partnerschaften und Familien sind durch die Grenzöffnung im Laufe der Jahre entstanden. Heute ahnen wir kaum noch etwas von einer Teilung Deutschlands. Da ist es gut, dass uns die Schilder an der Straße erinnern und mahnen.

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Heute ist es umproblematisch von Herleshausen in Hessen nach Wartha in Thüringen zu gehen oder zu fahren. Familien haben wieder zusammengefunden, neue Freundschaften sind entstanden und die Grenze besteht nur noch in der Erinnerung. Wir finden, dass sie nicht vergessen werden darf.

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„Uns hat es gefallen, dass wir ein paar Einblicke in die Vergangenheit von Herleshausen bekommen haben. Von der ehemaligen Grenze sind heute nur noch stumme Zeitzeugen wie Steine oder eine alte Birke da".
Tom-Leon & Luca

"Wir wussten auch nicht, dass so viele Leute aus der Umgebung an der ehemaligen Grenzkontrollstelle gearbeitet haben. Mit der Grenzöffnung wurden sie nicht mehr gebraucht und haben ihre Arbeitsstelle in Herleshausen verloren"
Damian

"Wir haben viele Zeitzeugen eingeladen, die uns ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte gaben. Aus vielen Mosaiksteinchen entstand so ein umfangreiches Bild"

Aris & Moritz


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"Wir hoffen, wir konnten euch die ehemalige Grenze in Herleshausen etwasnäher bringen und wir hoffen, dass ihr genauso viel gelernt habt wie wir. Vergesst diesen Abschnitt unserer Geschichte nicht!"

Eure Klasse 8 der Südringgauschule in Herleshausen

Tom-Leon Frieß, Alexander Gaastra, Luca Schäfer, Gabriel Dunkelberg, Omran Alhallak, Vanessa Baum, Lucas Behnke, Leon Hose, Eric Rajaonarison, Jasmin Renneisen, Loreen Brückmann, Damian Ebeling, Jan Fischer, Aris Fleischhacker, Moritz Janus, Michelle Lorey, Florian Wagner, Anton Braun und Jana Stüber.


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- Bernd Rahmer, ehem. Zollbeamter, Herleshausen
- Detlev Traut, ehem. Zollbeamter, Herleshausen
-Siegfried Hoch, ehem. Mitarbeiter der Rastanlage, Herleshausen
- Ursula Rößler, Helferin des Deutschen Roten Kreuzes, Herleshausen
- Helga Gogler, Herleshäuserin mit Ostverwandtschaft
- Hermann Casel, ehem. Kommandeur des BGS Bad Hersfeld
- Jutta Fleck, ehem. freigekaufter Häftling, Südhessen
- Manfred Migdal, ehem. freigekaufter Häftling, Neubrandenburg
- Günter Wetzel, Ballonflüchtling, Betzenstein
- Franziska Klemm, Mediencoach, Hessischer Rundfunk
- Anette Wetterau und Heidrun Henning, Lehrerinnen, Herleshausen

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Texte:  Jana Stüber, Damian Ebeling, Jan Fischer

Fotos: Lucas Behnke, Leon Hose, Anton Braun

Grafiken LKW-und Personenaufkommen: Florian Wagner

Audioschnitt: Anton Braun

Videoproduktion: Eric Rajaonarison und Lucas Behnke

Grafik Karte: Hessischer Rundfunk

Historische Fotos: Hermann Casel, Bad Hersfeld (1981-89 Kommandeur Bundesgrenzschutz Bad Hersfeld)

Foto „Das war die Grenze“: "40 Jahre Zoll in Herleshausen/40 Jahre Grenzkontrollstelle Herleshausen" von Zollamtsrat Erhard Schulze
 
Foto „Freikauf politischer Häftlinge“: Picture Alliance/DPA

Fotos „Gegen das System“ und „Flucht über den Wolken“: Günter Wetzel

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